29 november 2010
Mit langanhaltendem Beifall bedankten sich die Zuhörer im Neuen Theater bei den 80 Musikern aus den Niederlanden.
Mit großem Personal war das “Noord Nederlands Orkest” am Sonnabend aus Groningen nach Emden angereist, um dort für das Emder Publikum ein Konzert zu spielen, das es an Besonderheit und Klasse in sich hatte. Das dritte Symphonie-Konzert der Emder Konzertreihe, eine gemeinsame Veranstaltung des Kulturbüros und des Vereins “Kultur am Emsdelta” bot Hinreißendes und Extremes.
Der Dirigent Michel Tabachnik hatte offensichtlich zu jedem seiner mehr als 80 Musiker auf der Bühne einen besonderen Draht. Seine Einsätze kamen unvermittelt und alles stimmte auf den Punkt.
Dvoráks Symphonische Dichtung “Die Waldtaube” c-Moll op.110 is die inhaltliche Nachempfinding des Trauerzuges einer heuchelnden Witwe, die später heiratet, von Reue geplagt wird und schließlich am Grab ihres Mannes durch die “Verfolgung” einer Waldtaube den Tod findet.
Diese musikalische Adaption der Ballade des tschechischen Dichters Karel Jaromir Erben mutete wie ein klangliches Hörspiel an. Das Auf und Ab der abenteuerlichen Höhen und die lebendige Vielseitigkeit boten Einblick in eine Gefühlswelt, die teilweise an Dvoráks “Musik aus der neuen Welt” erinnerte. Eine faszinierende Leistung des großsen Orchesters.
“Folk Songs” des italienischen Komponisten Luciano Berio sang die Mezzosopranistin Cora Burggraaf. Elf Stücke aus verschiedenen Ländern, Liebes- und Naturlieder, boten untereinander Gegenpole in der Leichtigkeit und auch Schwere in der Aussage, ohne sich gegenseitig zu priorisieren. Die Künstlerin brillierte im Gemeinklang mit den begleitenden Instrumenten, die weniger musikalisch als vielmehr geräuschintonierend wirkten, um die Gesänge in ihrer Atmosphäre zu untermalen. Ungewohnt war das, aber neue Gehörwelten erschließend.
Die Sinfonie Nr.3 F-Dur von Johannes Brahms bot dem Orchester nochmals Gelegenheit, alle Nuancen seiner Vielschichtigkeit hörbar werden zu lassen. Und das in einer Qualität, wie sie nur Spitzenorchester bieten können. Die schlichte Stille im Andante des zweiten Satzes, die Schönheit und Liebe in vollkommener Reinheit hörbar werden ließ, wurde von der Sehnsucht im dritten Satz des allegretto fließend übernommen. Das Publikum war sichtlich ergriffen von der sinnlichen Emotion.
Der Schluss des Konzertes fand sich in einem kraftvollen Motiv der Geigen und Flöten, kraftvoll untermauert von Bässen und Bläsern.
Langanhaltender Beifall und eine lange Zugabe mit dem 3. Satz beendeten einen Konzertabend mit dem Wunsch, dieses Orchester noch öfter in Emden zu erleben – ja: zu erleben.
Von Werner Zwarte



