11 december 2010 - Rheinische Post
Mit Antonin Dvorâks op. 110 ,,Die Waldtaube” begann das zweite Sinfoniekonzert in der Viersener Festhalle. Was sich als Titel zunächst so idyllisch anhört, entpuppt sich hei näherer Betrachtung als Programm-Musik über finstere Abgründe, über Mord, geheuchelte Trauer und tiefe Schuldgefühle. Unter der Leitung von Michel Tabachnik gelang dem ,,Noord Nederlands Orkest” eine ansprechende Wiedergabe dieser Sinfonischen Dichtung und die Gäste aus Groningen bekamen schon nach diesem Programmauftakt viel anerkennenden Beifall.
Den meisten Applaus erhielt zu Recht die finnische Geigerin Eeva Koskinen für ihre Interpretation des d-moll-Violinkonzerts von Aram Chatschaturjan. So richtig bekannt ist von diesem Komponisten ja nicht viel mehr als der ,,Säbeltanz”. Um so informativer und interessanter war es also, diesem Vio linkonzert live in der Festhalle zu begegnen. Das 1940 vollendete Werk bewegt sich stilistisch im Übergangsbereich von Spätromantik, gemäßigter Moderne und armenischer Volksmusik. Vitale schnelle Partien sind für das Werk ebenso charakteristisch wie expressive langsame.
Die geigerischen Anforderungen sind sehr hoch. Die in Helsinki, Utrecht und Frankreich ausgebildete Solistin hatte allerdings keine Probleme damit. Mühelos bewaltigte Koskinen die Doppelgriff-Kaskaden; mit intensivem Ton baute sie die Kantilenen auf. Temperamentvoll ging sie die schnellen Sätze an, wobei sie dem spielerischen Charakter des letzten Satzes treffend Ausdruck verlieh. Ihre Griffsicherheit ist bemerkenswert.
Auch Brahms’ dritte Sinfonie (op. 90) im zweiten Teil des Konzerts fand die Zustimmung des Publikums. Dirigent Michel Tabachnik wählte für alle Satze angemessene Tempi und achtete sowohl auf die Spannungsbögen als auch auf klare Konturen. Das niederländische Orchester war in den Streichern quantitativ nicht zu klein, allerdings — abgestuft von 12 ersten Geigen bis zu vier Kontrabässen — auch nicht gerade üppig besetzt. Um so mehr verdient die Ausgewogenheit des Orchesterklangs Anerkennung. Auch im Forte wurden die homogen und mit warmer Tongebung spielenden Streicher nicht von den Bläsern übertönt.
Filmgeschichte schrieb der dritte Satz dieser Sinfonie 1960 mit ,,Lieben Sie Brahms, mit Ingrid Bergman, Anthony Perkins und Yves Montand in den Hauptrollen. Weil die Melodie sehr schön ist, wurde das ,,Poco Allegretto” dem applaudierenden Publikum als Zugabe noch einmal zu Gehör gebracht.



